CFS ist keine psychische Erkrankung!

Wenn Sie auf meinen Internetseiten schon ein wenig recherchiert haben, werden Sie bemerkt haben, dass ich von meiner Ausbildung her Psychiater bin.
Viele CFS Patienten denken dann sofort, was soll mir ein Psychiater sagen können, ich werde ja sowieso schon von den Ärzten in die Psychoecke abgedrängt und damit mit all meinen Symptomen nicht wahr genommen und nicht ernst genommen.

Aber ich als Psychiater, der CFS Patienten seit 25 Jahren kennt, kann doch am Besten beurteilen, dass hier ursprünglich keine psychische Erkrankung vorliegt, sondern dass CFS eine neuroimmunologische Erkrankung mit schwersten somatischen Folgen ist.

Zusätzlich weiß ich als Psychotherapeut, wie einflussreich psychische Prozesse und Einstellungen auf körperliche Prozesse sind im Guten wie im Negativen.

Wie wirkt sich der plötzliche und ja meist unerklärliche Verlust der Lebenskräfte auf unser Selbstwertgefühl aus, die Sprachlosigkeit und aburteilenden Blicke der konsultierten Ärzte in der Hoffnung, eine Antwort darauf zu finden, das Abschieben in die Psychoecke. „Stell Dich nicht so an. Du musst Dich doch nur mal zusammenreißen und Dich hochtrainieren“ und man weiß, dass das nicht geht und alles nur noch schlimmer macht! Weiter dann der Verlust der Freunde, manchmal auch sogar der Lebenspartner, weil einfach nichts mehr geht wie früher und keiner einem mehr glaubt!

Ich nenne das die Traumatisierung durch die Erkrankung.

Allein das ist schon eine relevante und leidensgeprägte Erkrankung für sich. Auch ganz alte Traumata aus der Kindheit, Abwesenheit oder Verlust stützender Elternteile, können so reaktiviert werden und die ohnehin schon scheinbar unlösbare Situation und die erlebte Hilflosigkeit verstärken.

Aber! Antidepressiva, die dann oft angeraten werden, haben keinen durchschlagenden Effekt, weil sie die Ursache ja nicht beseitigen können, und wegen der Grunderkrankung CFS und der erhöhten Empfindlichkeit auf alle Medikamente überwiegen die Nebenwirkungen. Resultat: Verstärkung des Gefühls, der Erkrankung hilflos ausgeliefert und im Leben alleine zu sein!

An dieser Thematik hatte ich in den letzten Jahren mit meinen Patienten gearbeitet, ihnen Unterstützung, Trost, Verständnis und Rückendeckung zu geben, mit der Hilflosigkeit besser umgehen zu lernen, um die Negativschleifen zu unterbrechen, also Hilfe zur Krankheitsbewältigung einer chronischen Erkrankung zu geben.

Jetzt kommen neueste wissenschaftliche Erkenntnisse dazu, die die Wechselwirkung der Psyche auf die Krankheitsentwicklung nahelegen. Eigentlich erst in den letzten zwei, drei Jahren wurde die Bedeutung des autonomen Nervensystems, Sympathikus und Parasympathikus auf die Steuerung sämtlicher körperlichen Funktionsbereiche deutlich und mehr erforscht. In der allgemeinen Stressforschung wurde deutlich, dass ein chronisch erhöhter Sympathikus negative Einflüsse auf viele Funktionsebenen des Körpers hat wie Herz-/ Kreislaufprobleme, Herzinfarktgefährdung, Muskelverspannungen, Schmerzsyndrome und letztendlich zu körperlichen Entgleisungen in multiplen Bereichen führen kann.

Diese erhöhte Sympathikusanspannung konnte ich mit Hilfe des sportwissenschaftlichen Ansatzes von meinem Mitarbeiter Dr. Ziaja bei unseren CFS Patienten nachweisen, mittlerweile auch bei den Fatigueerkrankten nach Coronainfektion. Überträgt man das Modell der chronischen Fehlregulation des autonomen Nervensystems auf CFS Erkrankte, wird deutlich, wie gravierend sich die chronische Unterfunktion des Parasympathikus auswirkt: keine Tiefschlafphasen, daher chronische Schlafstörungen, keine Erholung, Schlafentzug ist eine Folter, kein Reizabbau mehr möglich als Folge eines jahrelangen Schlafmangels wie Geräuschüberempfindlichkeit, ständiger Brain Fog, permanente Gereiztheit, verringerte Darmmotilität, daher Reizdarmphänomene, verringerte Nahrungsverarbeitung, dadurch Defizite in Vitaminen und Spurenelementen mit deren Folgen auf den Stoffwechsel, Störungen der Sexualfunktionen, daher Libidoverlust, und zum Schluss die meiner Meinung gravierendste Komplikation: die Störung der Immunabwehr, daher erhöhte Infektanfälligkeit, dauerhaftes grippales Gefühl, erhöhte Unverträglichkeitsreaktionen auf Nahrungsmittel und Stoffe aus unserer Umwelt. Der Körper wird quasi wehrlos.

Aus diesen ganz neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen habe ich geschlossen:

Eine Regulierung des autonomen Nervensystems wirkt sich positiv auf alle körperlichen Störungsbereiche aus.

Darauf beruht nun mein therapeutisches Programm: Unsere Psyche, wenn sie die entsprechenden Techniken diszipliniert anwendet, hat enorme Einflussmöglichkeiten, die Fremdsteuerung des Körpers durch die Probleme, denen man ausgesetzt ist, abzulösen von einer aktiven Selbststeuerung als zentraler Schritt, das festgefressene autonome Nervensystem mit samt dieser Folgen wieder in eine bessere Balance zu bringen und sich so zu stabilisieren.

Das vorliegende Programm dient der Stärkung der Psyche, die ja nicht Ursache des CFS war, aber enorme Einflussmöglichkeiten auf Empfinden, Erleben und Stabilität hat.

Dazu ist aber aktive Mitarbeit notwendig. Das Programm erklärt in 7 Textbausteinen die Hintergründe und begleitet Sie dann in der aktiven Mitarbeit in wöchentlich verschickten unterstützenden Emails.

Dieses Programm wendet sich in erster Linie an frisch erkrankte (oder moderat erkrankte) Personen oder solche, die einen Absturz befürchten. Sie ersetzt keine medizinische Diagnostik oder Behandlung!. CFS Patienten, die schon lange und schwer erkrankt sind, haben schmerzhaft meist schon viele der vorgeschlagenen Schritte, erhöhte Achtsamkeit für die Grenzen, individuell angepasste Belastung, selbst und alleine umsetzen müssen. Auch sind haben sich diese schon miteinander im Internet zum Erfahrungsaustausch vernetzt. Für die ist vielleicht nur der informative und kostenlose Teil interessant.